Der optimale Entscheidungsprozess

Entscheidungen treffen mit Kopf und Bauch – Teil 5: Besonders wenn Sie eine Entscheidung mit gravierenden Konsequenzen zu treffen haben, lohnt es sich, sich ein wenig Zeit zu nehmen und nach einem Entscheidungsprozess vorzugehen, der sowohl den Kopf als auch den Bauch mit einbezieht. Sie werden sehen, die kleine Investition an Zeit und Denkarbeit lohnt sich unbedingt!

1. Wählen Sie den richtigen Zeitpunkt.

  • Schieben Sie Entscheidungen nicht ewig vor sich her: keine Aufschieberitis, kein falsches Aussitzen, kein Verdrängen.
  • Aber: auch keine Schnellschüsse und halbgaren Entscheidungen, nur um das unangenehme Gefühl der Unsicherheit schnellstmöglich loszuwerden.
  • Kein endloses Jammern statt effizientem Handeln – Sie sind keine Märtyrerin: Love it, change it or leave it, but don’t suffer it! (Siehe: Lebensstrategie von erfolgreichen Menschen)

2. Fragen Sie sich: Was will ich überhaupt?

  • Listen Sie Ihre Wünsche, Werte und Prioritäten des Lebens auf.
  • Leiten Sie Bewertungskriterien für mögliche Alternativen ab.
  • Prüfen Sie, was die zur Wahl gestellten Alternativen im Hinblick auf Ihre zentralen Werte bedeuten und welche den höchsten Beitrag leisten würde.

3. Fragen Sie sich: Welche weiteren Möglichkeiten außer den angebotenen habe ich noch?

  • Generieren Sie Optionen:
    • Was passiert bei der Null-Lösung = ich entscheide gar nicht?
    • Kann ich etwas ganz anderes tun?
    • Ist eine bedingte Entscheidung für eine der Alternativen denkbar? Was wäre unter welchen Bedingungen akzeptabel?
    • Ist es möglich, alles zusammen zu realisieren?
  • Wichtig: Vogelperspektive beibehalten und alle Aspekte der Alternativen im Blick behalten.
  • Nehmen Sie auch ungewohnte, neue Lösungen mit auf – erliegen Sie nicht der Angst vor Neuem und dem bequemen Hang zum Bewährten.

4. Überprüfen Sie: Was sind echte Fakten, was sind bloße Annahmen?

Erstellen Sie eine Tabelle mit Annahmen und Fakten:

Was ich weiß Annahmen: was ich daraus folgere Weitere mögliche Annahmen
Nur echte, objektiv überprüfbare Fakten Jede Annahme / Hypothese muss eine Entsprechung in der linken Spalte haben Welche Erklärung ist noch denkbar? Welche davon lässt sich verifizieren?
Fragen:Woran mache ich die Annahme fest?Wieso bedeutet Fakt A die Annahme B? Löst Denkblockaden und erweitert die Sichtweise

5. Fragen Sie sich: Verfüge ich über ausreichende Informationen?

  • Entscheiden Sie nicht vorschnell, geben Sie keinem (künstlichen) Zeitdruck nach.
  • Gibt es Beteiligte / Betroffene? Kennen Sie deren Meinung? Oder spielen Sie Gott und arbeiten mit Vermutungen?
  • Aber: auch keine Paralyse durch Analyse:
  • Sparfrage: Ist die Analyse dieses Aspektes wirklich nötig? Was ist ihr Beitrag zum Verständnis? Ist der Erkenntnisgewinn größer als der Aufwand?
    • Konzentration auf die wichtigsten 7 +/- 2 Aspekte
    • nur unmittelbar Betroffene einbeziehen
    • keine trivialen Aspekte beachten
    • keine Detailfragen der Umsetzung
    • evtl. in Teilprobleme zerlegen

6. Wägen Sie die verschiedenen Möglichkeiten gegeneinander ab:

Optionen Kriterium 1 Gewichtung Kriterium 2 Gewichtung Mögliche Folgen
  • Wenden Sie Kriterien und Gewichtung gemäß Ihrer Wunsch- und Prioritätenliste aus Schritt 2 an.
  • Konzentrieren Sie sich auf das Notwendige, nicht auf das Machbare.
  • Verbeißen Sie sich nicht in Details, greifen Sie nicht vorschnell nach dem vermeintlichen rettenden Strohhalm.
  • Simulieren Sie die möglichen Folgen realistisch.

7. Welche Gefühle haben Sie bei der ausgewählten Alternative?

Nutzen Sie starke positive und negative Gefühle als Aufmerksamkeitswecker / Warnungen und hinterfragen Sie sie:

  • Positive Gefühle: War die Bewertung der Alternativen und ihrer Folgen realistisch oder war reines Wunschdenken ausschlaggebend für meine Euphorie? Hat mir ein besonders attraktiver Aspekt oder reine Gier den Blick vernebelt? Oder repräsentiert das Gefühl echte Zufriedenheit aufgrund hoher Übereinstimmung mit meinen Werten?
  • Negative Gefühle: Tappe ich in die Gewohnheitsfalle und will nur meine alten Vorlieben erhalten? Habe ich einfach nur Angst vor Neuem? Projiziere ich (un)bewusste Vorurteile und irrationale Abneigungen auf die Lösung? Oder ist das Gefühl eine echte Warnung vor einem Verstoß gegen meine Werte?
  • Überprüfen Sie gegebenenfalls Ihre Auswahl noch einmal kritisch.

8. Planen Sie die Umsetzung und Kontrolle der ausgewählten Alternative.

  • Was muss wer bis wann erledigen? Konkrete Angaben mit Zeiten / Fristen
  • Was genau soll dabei herauskommen? Klar definiertes Ziel
  • Kontrollzeitpunkt festlegen und überprüfen: Was ist tatsächlich dabei herausgekommen? Was lief gut, was nicht? Was lerne ich daraus? Ist eine Folgeentscheidung nötig?

9. Freuen Sie sich über Ihre gute Entscheidung! Feiern Sie Ihre Erfolge!

 

Artikelserie “Entscheidungen treffen mit Kopf und Bauch” im Überblick:

Teil 1: Denk- und Entscheidungsfallen

Teil 2: Entscheidungen aufgrund mangelhafter Informationen

Teil 3: Strategien und Optionen

Teil 4: Gefühlsfallen und Intuition beim Entscheiden

Teil 5: Der optimale Entscheidungsprozess

 

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