Sich durchsetzen: Wehren Sie sich gegen Killerphrasen! (Teil1)

Wer sich gegen Vorgesetzte oder Kollegen durchsetzen möchte, darf sich nicht nur auf das eigene Verhalten konzentrieren. Man muss vor allem die Kommunikationsmethoden des Gegenübers genau beobachten und bewerten  können. Denn oftmals finden Diskussionen mit manipulativen Mitteln statt.

Die Konkurrenz im Beruf kann hart sein, und manche der lieben Kollegen, Kolleginnen und Chefs greifen beim Kampf ums Vorwärtskommen auch schon einmal tief in die Trickkiste – oft sogar völlig unbewußt. Um sich durchzusetzen, muss man Manipulation erkennen und abwehren können. Denn Durchsetzungsvermögen entsteht nicht nur durch die Fähigkeit in die Offensive zu gehen.

Zu den häufigsten Manipulationsmethoden gehört der Einsatz von Killerphrasen. Bewährte Killerphrasen werden häufig in Meetings und Vorträgen eingesetzt, um den Sprecher aus dem Konzept zu bringen. Oft werden diese Killerphrasen mit so viel Selbstbewusstsein und Sicherheit vorgebracht, dass man auf den ersten Blick ganz verunsichert ist und sich außerstande sieht, den Haken an der Sache zu finden und angemessen darauf zu reagieren. So steht man sprachlos da und versucht, eine Gegenargumentation zu stammeln, hat aber im Spiel der Alpha-Tiere schon eine Niederlage einstecken müssen. Erst im Nachhinein taucht die Frage auf: Warum konnte ich mich nicht durchsetzen?

Um sich gegen Chefs und Kollegen durchzusetzen, müssen Sie sich mit den gängigsten Killerphrasen vertraut machen. Wappnen Sie sich anschließend mit geeigneten Gegenmaßnahmen, damit Sie als souveräne Alpha-Frau das Schlachtfeld verlassen können.

Sich durchsetzen: Killerphrasen erkennen und aushebeln!

1. Der Angreifer verlangt unwiderlegbare Beweise.
Diese Strategie wird gerne angewandt, wenn Sie ein neues Vorgehen oder Projekt vorstellen. Von Ihnen verlangt man jetzt wasserfeste Beweise, dass Ihr Vorschlag funktionieren wird, ansonsten solle man besser beim bewährten Verfahren bleiben beziehungsweise das Projekt nicht angehen.
So wehren Sie sich:
Erinnern Sie den Angreifer daran, dass es noch nie möglich war, Beweise für etwas zu schaffen, das in der Zukunft liegt – schließlich sind Zeitreisen ein immer noch unerfüllter Menschheitstraum. Und vor dem Einsatz des alten Verfahrens hat es ja auch keine Beweise gegeben, dass es funktionieren würde, und dennoch habe man es eingeführt. Und jetzt gibt es genügend neue Erfahrungen und Wahrscheinlichkeiten, die eindeutig für Ihren Vorschlag sprächen.

2. Der Angreifer spielt sich als großer Experte auf.
Mit immensem Selbstbewusstsein weist er Sie kleines Würstchen darauf hin, dass er seit Jahren ein ausgesprochener Experte ist, der vom Olymp seiner Erfahrungen herab Ihren Vorschlag sofort als völlig unbrauchbar erkannt hat. Und Sie mit Ihrer kümmerlichen Erfahrung müssten diese Expertenmeinung deshalb demütig akzeptieren.
So wehren Sie sich:
Demütig erkennen Sie seine Expertise an, um im gleichen Atemzug darauf hin zu weisen, dass es gegenteilige Meinungen anderer Experten gibt, die Sie gerne diskutieren würden. Zudem können Sie noch erläutern, dass sich die Situation doch gravierend geändert hat und sein Expertenwissen vielleicht eine Spur überaltert ist…

3. Der Angreifer versucht, durch Haarspaltereien abzulenken.
Ihr Angreifer nimmt wahllos irgendeinen der von Ihnen verwendeten Begriffe wie „Marketing“ oder „Motivationsfaktoren“ (oder was auch immer) heraus und verlangt von Ihnen, diesen erst einmal zu definieren, eher er auch nur ansatzweise bereit ist, sich Ihre Ausführungen weiter anzuhören. Dann lehnt er sich zufrieden zurück, weil er erwartet, Sie jetzt auf einen Nebenkriegsschauplatz gelockt zu haben, auf dem er Sie auseinander nehmen kann.
So wehren Sie sich:
Sie sind geschickter und fragen einfach zurück, inwiefern eine genaue Definition des Begriffes an diesem Punkt notwendig und zielführend ist, und ob es nicht im Sinne der Effizienz besser wäre, sich wieder auf das eigentliche Thema zu konzentrieren. Verlangt er weiter beharrlich von Ihnen diese blöde Definition, dann spielen Sie den Ball zurück und fragen, was er denn bitte darunter versteht. Soll er sich doch selbst den Kopf zerbrechen! Und Sie können ihn darauf verweisen, dass es etliche gute Definitionen gibt, zu denen Sie ihm gerne den Link schicken werden.

4. Der Angreifer übertreibt maßlos.
Er tut so, als ob Ihr kleiner Vorschlag die komplette Firma umkrempeln würde, was natürlich außer Frage steht, oder als ob es sich um ein so gigantisches Konzept handeln würde, dass nur ein Konsortium von multinationalen Großkonzernen es stemmen könnte.
So wehren Sie sich:
Bedanken Sie sich charmant dafür, dass er Ihrem Vorschlag offensichtlich einiges an Wirksamkeit unterstellt. Und dann bitten Sie ihn höflich, genau aufzuzeigen, wieso diese kleine Änderung die Firma umkrempeln würde oder was an Ihrem Projekt denn so unüberwindlich wirken würde – gerne würden Sie ihm erläutern, wo er etwas missverstanden hat.

Der wichtigste Grundsatz ist es übrigens, dass Sie sich weigern, sich ins Bockshorn jagen zu lassen. Wer zu solchen Mitteln greift, hat keine besseren Argumente und muss daher auf unfaire Manipulationen ausweichen. Diese wirkt aber nur, wenn Sie auch darauf eingehen. Deshalb ist es auch immer eine gute Idee, den Angriff schlicht und einfach zu ignorieren, wenn Ihnen die spezifische Abwehr gerade nicht einfallen sollte. Tun Sie einfach so, als hätten Sie nichts gehört – zu einem zweiten Versuch raffen sich etliche Angreifer dann gar nicht mehr auf.

Auch in Teil 2 (folgt bald) heißt es: Nicht mit mir! Lernen Sie weitere Manipulationsmethoden und geeignete Gegenmaßnahmen kennen…

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