Streit lösen: Erst Konflikte und ihre Mechanismen verstehen

Streit gehört wohl zum Leben dazu wie das Atmen. Alle Geschöpfe kennen die Konkurrenz um begehrte Dinge wie Nahrung, einen Partner oder den Status, den man in der Gruppe hat. Und wie alle Geschöpfe auch verlässt sich der Mensch dabei auf zum Teil alte Mechanismen, die ihm dabei helfen sollen, den Sieg über den Gegner im Konflikt zu erlangen.

Diese Konfliktmechanismen lassen sich im Großen wie im Kleinen beobachten und sind schon sehr lange wirksam – was leider nicht bedeutet, dass sie auch zielführend sind.

Dabei laufen Mechanismen dieser Art zum Teil so unbewusst ab, dass man sie sich bewusst machen sollte, wenn man in Zukunft einen konstruktiveren Ansatz zur Konfliktlösung umsetzen möchte. Denn nur was man kennt und versteht, kann man vermeiden oder bekämpfen.

Grundlegende Konfliktmechanismen:

Das Negative wird auf den anderen projiziert.
Schon sehr früh in einem Konflikt erklären wir uns selbst zu den Guten und den oder die anderen zu den Bösen. Die Aggression oder die Ursache für den Streit ging nicht von uns, sondern von der gegnerischen Partei aus, sie trägt die alleinige Schuld an der unseligen Situation. Man vergisst dabei, dass man eigentlich ein gemeinsames Problem hat, das es zu lösen gilt, sondern erklärt den anderen auf einmal zum Feind, den man besiegen möchte.

Immer neue Themen, Probleme, Einzelheiten werden eingebracht.
Je mehr Munition, desto besser! Also verlässt man das eigentliche Streitthema und bezieht Bereiche ein, von denen man sich für sich selbst einen Vorteil verspricht. Und irgendwann weiß man kaum noch, worum es ursprünglich.

Ursachen und Auswirkungen von Dingen und Handlungen werden vertauscht.
Wir wollen nicht mehr wahrhaben, dass vielleicht auch unsere Handlungen, Reaktionen und Worte etwas zum Streit beigetragen haben, sondern wenn es uns schlecht geht, muss der andere der Auslöser gewesen sein. Und so beginnt dann das „Wenn du nicht… dann hätte ich auch nicht… gemusst“ – Spiel, bei dem die gegenseitigen Schuldzuweisungen fröhlich hervor geschmettert werden.

Man versucht, Dritte oder Gruppen einzubeziehen.
Verbündete müssen her, die einen bestärken und die eigene Meinung oder den Standpult bekräftigen. So werden Freunde, Familienmitglieder und Bekannte gedrängt, Stellung zu beziehen und sich auf die eigene Seite zu stellen – oft mit fatalen Ergebnissen.

Man verschärft schrittweise die Drohungen gegen den anderen in der Hoffnung, dass der andere nachgibt.
Wenn die Argumente nichts mehr helfen, wird die Keule gezückt – zuerst in Form von Drohungen. Leider führt das nur zu einer schnellen Eskalation, da man eine Drohung auch ausführen muss, will man weiter ernst genommen werden will. Und so tut man etwas, was man ohne die Hitze des Streites nie in Betracht gezogen hätte, um nicht als Weichei da zu stehen.

Es geht aber auch anders, wenn man sich ein wenig Gedanken macht und mit etwas Disziplin und Selbstkontrolle vorgeht. Ein konstruktiver Konfliktlösungsprozess achtet darauf, dass die obigen Mechanismen nicht zum Tragen kommen, sondern durch andere Denk- und Verhaltensweisen ersetzt werden. Lesen Sie hierzu:Wie Sie wirklich konstruktiv einen Konflikt lösen können…

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